Thomas Lutter
Gebäudeenergieberater HWK - Innenausbau - Trockenbau - Schall-, Brand-, Wärmeschutz - Fliesen / Natursteinarbeiten - Parkett - Türen – Fenster
Sachverständiger - Bedarfsorientierte Energieausweise für Wohngebäude nach EnEV - Planung Gutachten - Ausstellung von Nachweisen gem. § 10 EEWärmeG - Berechnung zweidimensionaler Wärmeströme












Die Anforderungen an den Wärmeschutz beziehen sich zum einen auf die Reduzierung der Transmissionswärmeverluste und zum anderen auf die Einhaltung eines gesunden Raumklimas, wozu auch die Vermeidung von Schimmelpilzwachstum zählt. Wärmebrücken stellen dabei immer Schwachstellen dar, denen man besonders Aufmerksamkeit zukommen lassen sollte. Besonders im Gebäudebestand müssen passende Dämmmaßnahmen für die vorgefunden Bausituation gefunden werden. Bei der Innendämmung ist besonders auf einige kritische Anschlusssituationen zu achten. So kann man auch mit einfachen Mitteln sowohl die Wärmeverluste reduzieren als auch den hygienischen Mindestwärmeschutz einhalten.

Welche Vorteile kann der genaue Nachweis haben

Neben der pauschalen Erfassung von Wärmebrücken besteht bei der Altbausanierung auch die
Möglichkeit, die Wärmebrückenverluste detailliert zu berechnen. Dies hat zwei wesentliche Vorteile:
  • Erhebliche Reduzierung der rechnerischen Transmissionswärmeverluste, wenn eine gut geplante
    Detailausbildung stattfindet.
  • Verrmeidung niedriger Oberflächentemperaturen an schwierigen Anschlusssituationen kann nachgewiesen werden.

Der Aufwand für die Wärmebrückenberechnung kann sich lohnen. Dies ist besonders dann der Fall, wenn durch die detaillierte Analyse die Förderbedingungen der KfW-Bank wie z.B. eingehalten oder besser eingehalten werden sollen. Bei der Sanierung von Altbauten ist auf Energieeinsparung und auf den klimabedingten Feuchteschutz und damit auf ein gesundes Raumklima zu achten. Sowohl beim Energieverlust als auch bei der Vermeidung niedriger Oberflächentemperaturen spielen Wärmebrücken eine entscheidende Rolle. Dabei ist es nicht immer möglich auf die bauphysikalisch einfache Lösung einer Außendämmung zurückzugreifen; die Innendämmung stellt daher oft eine Alternative dar. Kommen Maßnahmen mit Innendämmung zum Einsatz, entstehen zwangsweise bauphysikalisch kritische Anschlusssituationen, die oft mit einfachen Mitteln entschärft werden können.

Schimmelpilz

Bei bestimmten Details in der Altbaumodernisierung ist eine energetische Optimierung kaum zu erreichen. Bei diesen Details sollten aber die inneren Oberflächentemperaturen zumindest so hoch sein, dass dort kein Schimmelpilz entsteht. An Fenster- und Geschossdeckenanschlüssen an Außenecken oder auf der Fläche hinter Möbeln tritt am häufigsten Schimmel auf. Je nach Dämmmaßnahme (Außen-, Kern- oder Innendämmung) sind die Probleme unterschiedlich gelagert. Vereinfacht kann man sagen: Mit der Außendämmung kann man die meisten Oberflächenprobleme einfach lösen. So auch bei der massiven Geschossdecke. Eine Außendämmung überdeckt den Geschossdeckenanschluss und die innere Oberflächentemperatur steigt bereits bei 8 cm Dämmung
auf über 18 °C. Gleiches gilt auch für die Kerndämmung. Bei der Innendämmung ist allerdings Vorsicht
geboten. Durch die Innendämmung wird das Mauerwerk und damit die aufliegende Betondecke kälter. Ähnlich wie bei der Geschossdecke sieht es zunächst bei der Innenwand aus. Außen- und Kerndämmung stellen kein Problem dar. Bei der Innendämmung durchstößt die Innenwand die Dämmebene

Innendämmung

Die Innendämmung hat nicht nur wärmebrückentechnische Nachteile. Sowohl die Wärmebrückenverlustkoeffizienten als auch die Oberflächentemperaturen ergeben bei den Dachdetails Ortgang und Traufe vollkommen unkritische Werte. Bei diesen Details geht die Innendämmung ohne Unterbrechung in die Dachdämmung über. Bei vergleichbaren außengedämmten Anschlüssen wäre hingegen auf eine Kopfdämmung nicht zu verzichten. Bei der Innendämmung schwanken die Wärmebrückenzuschläge je nach guter oder schlechter Ausführung wesentlich mehr als bei der Außendämmung. Hat man eine einbindende Massivdecke und vergisst zusätzlich die Fensteranschlüsse, können die Zuschläge über 0,15 W/(m2·K) liegen. Hier besteht die Möglichkeit die pauschalen Zuschläge durch Einzelnachweise erfolgreich zu reduzieren. Wenn die Möglichkeit besteht, die Kellerdecke von oben statt von unten zu dämmen z.B. in Hohlräumen unter einem Dielenboden, wäre eine Reduzierung möglich. An anderen Stellen hat die Innendämmung auch wärmebrückentechnische Vorteile. An der Traufe kann bspw. die Innendämmung ohne Abriss-Aufwand an die Dämmebene des Daches angeschlossen werden. Beim Ortgang wäre
dies ebenso der Fall. Schützenswerte Fassaden von Gründerzeithäusern oder Sichtfachwerk haben bei der Wärmebrückenreduzierung ebenfalls gute Karten, da keine Durchdringungen von Betonbauteilen zu befürchten sind. Bei Fachwerk sind auch Innenwandanschlüsse harmlos, da im Anschlussbereich i.d.R. ein Ständer steht, der einen besseren Wärmeschutz aufweist als die daneben liegende Ausfachung. Werden Holzbalkendecken im Rahmen der Sanierung geöffnet, kann eine durchgehende Dämmebene von einem Geschoss ins andere einen Wärmebrückenfreien Anschluss erzeugen. So kann bei Innendämmung ein sehr gutes UWB von 0,03 W/(m2·K) erreicht werden, eine durchaus nennenswerte Verbesserung im Vergleich zur pauschalen Erfassung von 0,10 W/(m2·K).

Fensterleibungen

Fensterleibungen stellen im Wandaufbau Schwachstellen dar. Sie sind im Altbau oft nur dadurch nicht vom Schimmel betroffen, da sowohl ein Luftzug durch undichte Fensterrahmen als auch die Kondensation an den meist einfach verglasten Scheiben die Luftfeuchte in der Fensternische herabsetzen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass es beim Austausch der Fenster ohne sonstige bauliche Veränderungen zu Feuchteschäden kommt. So ist z.B. selbst bei „gut dämmendem" Hochlochziegelmauerwerk in der unsanierten Situation ein 5 cm breiter Streifen unterhalb der kritischen Marke von 12,6 °C (10,5 °C – 12,6 °C). Wird bei der Verbesserung des Wärmeschutzes auf der Innenseite der Wand die Leibungsdämmung nicht ausgeführt, verschärft sich die Lage (12 cm zw. 8,4 – 12,6 °C). Frei nach dem Prinzip von Prof. Reinhard Lamers: Da wo nichts ist, ist wenig viel!, würde sich durch eine 20 mm dicke Leibungsdämmung (l=0,035 W/(m×K)) die Temperatur wieder auf 10,5 °C erhöhen, was zunächst nicht ausreichend scheint. Allerdings ist der kritische Bereich auf nur wenige Millimeter begrenzt und wird erfahrungsgemäß nicht von Schimmel befallen.


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